Archiv für Syrah

Bodegas Toribio. Stolz und Leidenschaft aus Extremadura

Posted in Önokuriositäten, Blogger unterwegs with tags , on November 15, 2012 by vinoysequedode

Dieser Artikel ist Fernando Toribio und seiner Frau Fernanda gewidmet. Vielen Dank für Eure Gastfreundschaft und Großzügigkeit während dieser drei Novembertage. 

Mit Freude kehren wir von unserer Reise durch verschiedene Teile Süd- und Westspaniens zurück. Nachdem wir dieses Jahr im Sommer keinen Urlaub nehmen konnten, genossen wir den Herbst ausgiebig.

In den folgenden posts werden wir Euch von den Abschnitten unserer Reise berichten, auf der wir die Gelegenheit nutzten, einige Weingüter zu besuchen und Weine zu probieren, von den wir glauben, dass sie einer Erwähnung hier in diesem Blog wert sind, der jeden Tag mehr Anhänger zählt. Etwas, das uns mit Stolz und Zufriedenheit erfüllt.

Heute beginnen wir mit dem fantastischen Besuch in den Bodegas Toribio, die sich in Puebla de Sancho Pérez, ganz in der Nähe von Zafra in der Provinz Badajoz befinden. Wir wohnten in einem der Appartements, die die Familie Toribio im oberen Teil ihres kürzlich gebauten Hauses in unmittelbarer Nachbarschaft der Kapelle der Virgen de Belén (Jungfrau von Bethlehem) für den Weintourismus eingerichtet hat. Das Kirchlein ist buchstäblich an die Mauern der als der äBodegas Toribio exteriorltesten Spaniens und damit der Welt, deklarierten Stierkampfarena geklebt. Zumindest geben das die örtlichen Infoblätter für Touristen bekannt. Obgleich wir auf zahlreichen unserer Reisen ähnliche Anzeigen fanden. Es gibt keine Stadt, die sich nicht damit rühmt, etwas Älteres als die anderen zu besitzen, keine Taverne oder Cocktail-Bar, die nicht behauptet, hier war der sich von innen begießende Hemingway. Der Freund Ernest musste sich nicht nur jeden, sondern auch jeden zweiten Tag verdoppeln.

Da uns das Wetter überhaupt nicht begleitete, suchten wir mit großem Vergnügen Zuflucht im tiefgründigen Kennenlernen der Weine, die Fernando Toribio in der Kellerei kreiert, die seinen Namen trägt und in Pago Los Balancines, wo er Partner und „Alma Mater“ der Weine ist, die dort hergestellt werden. Fernando widmete uns fast einen ganzen Sonntag, um uns seine Weine zu präsentieren und uns viele Geheimnisse ihrer Herstellung im eigenen Weinkeller zu erzählen, in dem er vor fast 28 Jahren seine Abenteuer begann, als sein Vater ihm die Verantwortung überließ, damit er sich seinen Traum erfüllt und uns Jahre später solch erhabene Weine schenkt. In der alten Kellerei, mitten im Herzen von Puebla, verlor sich unser Blick zwischen Zementtanks, die immer noch voller Weine im vollsten Gärungsprozess waren und einigen, Bodegas Toribioderen Inhalt schon auf seine Umfüllung in Fässer wartete. Wir durften fast alle Weine des Meisters aus Extremadura direkt aus diesen Tanks probieren. Auf recht lustige Art und Weise über den Tanks hockend, füllten wir, die Mitglieder des Blogs, zusammen mit dem Winzer unsere Gläser, so dass uns der Wein, der sich zum Teil noch in der malolaktischen Gärung befand, glattweg über die Hände lief. Es war wie eine Ekstase für die Sinne, die Weine aus verschiedenen Trauben zu entdecken. Uns schmeckten alle, dem Schreiber aber vorallem der Syrah. Ich habe sogar versucht, wenn auch mit wenig Erfolg, Fernando zu überzeugen, einen Wein aus nur dieser Rebsorte zu produzieren. Bleibt zBodegas Toribio_u hoffen, dass er sich an uns erinnert falls es eines Tages einen 100 % Syrah geben sollte. Die Weißweine aus Chardonnay und Macabeo Trauben verkosteten wir direkt aus den Fässern. Der noch in der Reifung befindliche Macabeo war besser als viele seiner Artgenossen, die wir aus der Flasche probiert haben.

Die Weine in vollstem Entwicklungsprozess direkt aus den Tanks zu probieren, war eine erstaunliche und lehrreiche Erfahrung, die uns den vollständigen Wertegang, den die verschiedenen Traubensäfte gehen bis sie in der Flasche enden, veranschaulichte. Während wir aus den verschiedenen Tanks probierten, konnten wir schon ahnen in welche Weine sich diese intensiv roten Flüssigkeiten, voller Aroma und Geschmack, am Ende verwandeln werden. Und das ist nicht irgendetwas Triviales, denn Toribio ist der Auffassung, dass die Weine auf dem Feld entstehen, die Reben umhegend damit sie reichhaltige Trauben erzeugen, die man im Weinkeller so wenig wie möglich „nachbearbeiten“ muss.

Die Verkostung endete am späten Nachmittag im Hause der Toribios, in dem sie einen Raum für die Degustation und Ausstellung aller von Fernando kreierten Weine eingerichtet haben. Die Beschreibung der verkosteten Juwelen heben wir uns für einen nächsten Post auf. Es sei nur verraten, dass es während der Verkostung einen Moment völliger Emotion gab. Das Glück kann für einen Augenblick nur darin bestehen, diese sublimen Weine zusammen mit ihrem Autor zu genießen und das Gefühl der Überwältigung zu spüren.

Salud.

Taberner 2007. ¡Viva la Pepa!

Posted in 16€ -20€, Rotwein mit Crianza, V.T. Cádiz with tags on April 23, 2012 by vinoysequedode

Heute stellen wir Euch einen großartigen Wein aus der Gegend von Cádiz vor, der eindeutig beweist, dass man in dieser privilegierten Ecke Südspaniens nicht nur die Herstellung von exzellenten Likörweinen versteht. Dieser Riesenwein ist ein Syrah in verführerischer Reinkultur.

Sein strahlendes Purpurrot erzeugt schon beim Einschenken freudige Erregung. Bei erster Annäherung an die Nase verbreiten sich Aromen reifer Kirschen und dunkler Waldfrüchte. Am Gaumen spüren wir genau diese Früchte, sowie Kaffee, Toffee und Vanillenoten. Ein Meisterstück mit langem Finale. Dieser elegante Andalusier eignet sich perfekt zu Tapas, milden Wurstwaren,  Hühnchen- oder Wildgeflügelgerichten. Und für die Gewagteren und Heterodoxen unter Euch, ebenso wunderbar für einige Desserts. Könnte man sich etwas SchöneresTaberner2007 vorstellen, als den Taberner 2007 zu den Feierlichkeiten der spanischen Verfassung von 1812, die in diesen Tagen in Cádiz und San Fernando verkündet wurde, probiert haben zu können? Während man ihn genießt, kommen Gefühle völligen Glücks und Freiheit auf, Gründungsprinzipien der Verfassungen, die Jahre zuvor die Welt veränderten, und als Inspiration für die als La Pepa bekannte spanische Konstitution dienten.

Der bescheidene Blogger spürte etwas ganz besonderes, als er diesen traumhaften Tropfen verkostete.  Urplötzlich wurde ich in jene, einige Jahre zurückliegende, Spätjanuarmittage im Herzen von Havanna gebeamt.  Jeden Tag, so gegen 12.00 Uhr, bereitete die Großmutter einer Freundin in der kubanischen Hauptstadt uns zwei nach kubanischer Realität gierenden Spaniern, „in situ“ einen sehr süßen schwarzen Kaffee (nach kubanischen Geschmack) zu. Dieser Kaffee war genauso unglaublich süß und fruchtig (er stammte aus der Sierra Maestra im östlichen Kuba), wie dieser sinnliche andalusische Wein, den wir Euch wärmstens empfehlen.

Da es, wie der spanische Journalist Iker Jiménez sagen würde, im Leben keine Zufälle gibt, erinnerten wir uns an Havanna während wir einen Wein aus Cádiz probierten, der Stadt, auf die sich die Architekten stützten als sie viele Gebäude in der Hauptstadt von Kuba erbauten. Wie Ihr sehen könnt, erleucht der Weine Teile des Gehirns, in denen wir sensorische Erinnerungen aufbewahren; genau deshalb verteidigen wir zusammen mit vielen Anderen das Argument, dass Wein weit mehr als nur Getränk ist. Wein ist Leben.

Wer würde nicht gern derzeit in der Gegend von Cadiz mit einem Taberner 2007 auf das Wohlergehen der La Pepa anstossen, und, warum nicht, kurze Zeit später das Gleiche mit einem der guten, lokalen Weißweine in Havanna tun? Also Prost und ¡Viva la Pepa!

Noch ist der Jahrgang 2007 erhältlich. Hier bekommt ihr ihn für unter 21€ (6-Kiste, inklusive Transportkosten).