Archiv für Albillo Real

Vino y se Quedó als Geburtshelfer

Posted in Önokuriositäten, Blogger unterwegs with tags , , on Januar 15, 2015 by vinoysequedode

Um zu verstehen, was Weinherstellung wirklich bedeutet, muss man sich schmutzig machen, schwitzen und besondere Momente mit den Menschen teilen, die alles geben, damit wir ein gutes Glas Wein, so wie dieses, in das wir uns vor einiger Zeit verliebten, genießen können. Es musste in der Gegend von Cebreros, in der Provinz von Ávila sein, die in letzter Zeit immer mehr in den Mund vieler Weinliebhaber und unter die Lupe der Kritiker geriet. Dort, wo die „Garnacheros“ von Gredos die Gegend wieder entdecken und sie in ein Synonym für Qualität und Prestige verwandeln.

Es konnte wohl kaum einen besseren Moment geben, um Guillermo Fernández und Juan Carlos Arenas bei der ersten Weinlese im eigenen Weinkeller zu begleiten. Kurz vor Beginn der Ernte zogen sie von der Kooperative in El Barraco in den eigenen Keller nach Sotillo De La Adrada um, ein sehr wichtiger Schritt, der die Produktionsbedingungen und die Qualität ihrer Weine deutlich verbessert. Als wir sie im Mai bei einem Weinfest nach der Möglichkeit einer Mitarbeit während der diesjährigen Weinlese fragten, sahen wir argwöhnisch zuckende Augenbrauen. Wahrscheinlich stellten sie sich die Frage, was zur Hölle wir dabei anderes tun wollten, als die Weine zu verkosten und sie mit Fragen zu überhäufen. Dann war endlich September und während  neun Tagen konnte Vino y se Quedó  mit absoluter  Transparenz und Kameradschaft bei der Verarbeitung dieser einzigartigen Garnachas  dabei sein. Carlos und Guillermo öffneten uns ihre Tanks, ihre Häuser und ihre Herzen.

La Movida Laderas

Am zweiten Tag der Weinernte 2014 ging es direkt mit dem Koffer in den Weinkeller. Füße waschen und lostreten. Ja, ja, treten! Hier werden die Trauben noch ohne Maschinen verarbeitet. Schließlich sprechen wir von traditionell hergestellten Weinen.  Jede der kleinen Parzellen  wird separat verarbeitet und füllt kaum mehr als ein Fass. Die Ernte war in einwandfreiem Zustand, jede Traube wurde von Hand gelesen. Die Trauben wurden zum Zeitpunkt der optimalen Reife geerntet, einer der Schlüssel für frischen Wein, ohne grüne Noten. Dieses Jahr waren sogar die Stiele soweit gereift, dass die Trauben für den La Movida Laderas und den Doble Punta direkt mit diesem verarbeitet wurden.

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Die „Maldivinos“ sind weder Talibanen der Biodynamik noch der Bioweine, aber wenn es um minimalen Eingriff und maximale Qualität geht, lassen sie keine Zweifel aufkommen. “Intuition geht vor Logik.” Schwefel? “Ja klar! Die nötigste Menge. Die Weine gehen auf Reisen und der Hersteller kann die Kette nicht bis zum Endverbraucher kontrollieren, es sei denn er verkauft nur direkt ab Weinkeller.” Zu diesem Thema gibt es viel Polemik. Auch wenn viele hoch und heilig versprechen, dass sie nicht schwefeln, lügen einige sicher. Was den Einfluss des Mondes betrifft, haben wir uns weder in die Schriften von Rudolf Steiner noch in den Mondkalender von Maria Thun vertieft, aber als wir nach dem erneuten Treten der Trauben in der Vollmondnacht am nächsten Morgen den Beginn der Gärung, und dass sogar in einem Fuder von nur 15 Grad Celsius, feststellen konnten, verflog unser Zweifel an seiner Wirkung.

Dale todo

Zur Einweihung des eigenen Weinkellers musste natürlich auch der Herstellungsprozess eigen sein. Zumindest nahmen wir das als Motivation, als ungefähr zweitausend Kilo Trauben von Hand entstielt werden mussten. Die Tage verlängerten sich bis zum Morgengrauen, aber nicht umsonst tragen die Weine den Namen La Movida (lebhaftes Treiben). Es kamen Ehefrau, Eltern, Kinder, Geschwister, Neffen, Nichten, Cousins und Cousinen zur Hilfe und bewiesen, dass Maldivinas nicht zuletzt ein Familienprojekt ist. Zwischen alten Geschichten, Ideen für die Zukunft, guter Hausmannskost und einigen Gläsern vergangener Jahrgänge leerten sich die Kisten. Als wäre dies nocht nicht genug, um die “Praktikantin” in Aufregung zu versetzen, wurde Hals über Kopf ein neuer Wein kreiert. Abgesehen vom “Cuvee especial Hand in Hand” erblickte ein neues Familienmitglied das Licht der Welt. Noch wurde es nicht getauft, aber der parfümierte Most war Wahnsinn, genauso wie die Geschwindigkeit, mit der sich der Wein entwickelte. ¡Das wird ein wildes Kind!

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Erst jetzt verstehen wir wirklich, was Guillermo bei unserem Besuch im März 2014 meinte, als er von “Gefechts”- Weinherstellung sprach. Combate, gleichzeitig Name ihres hervorragenden Albillo Real, der im vergangenen Jahr zum ersten Mal gekeltert wurde.

Bevor Ihr Euch über traditionell hergestellte Weine auslasst, die Stirn runzelt, weil jemand Biodynamik oder den Einfluss der Mondkraft erwähnt, oder einen Wein vom bequemen Sofa aus kritisiert, Leute, geht auf ein Weingut, färbt Euch die Hände bei der Ernte, fühlt die Trauben unter den Füßen, oder schweigt für immer.

Maldivinos, herzlichen Dank für all Euer Wissen und Euer Vertrauen!

Salud und guten Wein, amig@s.