Archive for the Weißwein Category

Baboso Negro 2012 und Marmajuelo 2013, zurück zu den Wurzeln

Posted in > 20€, D.O. Ycoden Daute Isora, Rotwein, Rotwein mit Crianza, Weißwein, Wein with tags , , on Februar 8, 2015 by vinoysequedode

100% Marmajuelo. 7 Monate Ausbau in 228l Barriques französischer Eiche auf seinen eigenen Hefen. Produktion: 800 Flaschen.

100% Baboso Negro. Gekeltert mit 30% Ganztrauben. 12 Monate Ausbau in 228l Barriques französischer Eiche. Produktion: 1.513 Flaschen.

Unsere treuesten Leser der spanischen Version erinnern sich sicher an unsere virtuelle Tour auf die Kanarischen Inseln. Heute kehren wir nach Teneriffa zurück, denn auf dieser Insel finden wir nicht mehr und nicht weniger als fünf Anbaugebiete mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Während die Mehrzahl der aus Teneriffa stammenden Weine, wie dieser, den wir Euch bereits präsentierten, aus den Rebsorten Listán Blanco und Listán Negro gekeltert werden, besteht der Rest aus einer bunten Mischung von Trauben mit schwer auszusprechenden Namen, die ausreichend Stoff für eine Doktorarbeit bieten. Mit ein bisschen Nachforschung würden wir sicher Äquivalenzen mit bekannten Rebsorten herausfinden.

Im Gegenteil zur iberischen Halbinsel fiel der Kanarische Archipel niemals der Reblaus zum Opfer, so dass  wir heute noch wurzelechte Rebstöcke vorfinden, die auf Spanisch ‘Pie Franco’ heißen, eine Ausnahmesituation. Die unterschiedlichen Mikroklimas, der Einfluss des Atlantik, die aus Vulkanasche und Vulkangestein zusammengesetzten Böden liefern uns bemerkenswerte Weine, die bis jetzt zu den grossen Unbekannten der spanischen (Wein-) Landkarte zählten. Lasst Euch einladen und lernt sie mit uns zusammen kennen.

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Mit der D.O. Ycoden-Daute-Isora debütiert nicht nur ein neues Anbaugebiet in Vino y se Quedó. Gleichzeitig möchten wir Euch zwei Rebsorten vorstellen, die ebenso unbekannt wie delikat sind, die Baboso Negro y die Marmajuelo. Erstere, auch unter dem Namen Albarín Negro oder Bruñal bekannt, scheint ihren Ursprung in Portugal zu haben. Die Marmajuelo oder Bermejuela, die aus einer Mutation der Bermejuela Rosado (Rosé) hervorgeht, ist autochthon auf den Kanaren. Im Nordosten von Teneriffa gelegen, erhielt das Anbaugebiet seinen Namen nach dem Guanchenkönig von Ycode und Daute, sowie den Herrschaftschaftsgebieten der Prinzessin Isora, die der Legende nach der Zone ihren Namen gab.

Ignios Marmajuelo Baboso

Unter der Führung von Borja Pérez González erblickte das Projekt Ignios Orígenes das Licht der Welt, als er, vor nur knapp 4 Jahren, die Gelegenheit wahrnahm und Weinberge mit Marmajuelo und Baboso Negro kaufte. Nachdem er jahrelang der Familientradition gefolgt war, setzt er heute auf integrierte Produktion und arbeitet mit einem Minimum an Schwefel. Die Weine stammen aus einer winzigen Ausbeute der Finca La Vizcondesa, deren Rebstöcke ungefähr fünfzehn Jahre alt sind und auf tonhaltigem Boden, circa 450 Meter über dem Meeresspiegel, gepflanzt wurden. Ignios huldigt die einzigartige Landschaft der Kanaren; igneous rocks bedeutet auf Englisch Vulkangestein; und genau dieses bebildert die attraktiven Etiketten, die Borja’s Bruder Dailos entwarf.

Der Marmajuelo erhellt das Glas in strahlendem Gold, blitzsauber und brilliant. In der Nase ist er eher schüchtern; nach einer Weile nehmen wir frische Aromen wahr, Birne und Orangenhonig. Dank des Ausbaus auf den eigenen Hefen (sobre lías), spüren wir am Gaumen einen sehr komplexen Wein, er ist cremig und äußerst geschmackvoll, ohne dass man davon überdrüssig wird. Es stechen Mispelnoten hervor und sein salziger Abgang hinterlassen einen leicht bitteren Geschmack, der der Fruchtlast wunderbar entgegenwirkt. Ohne Zweifel handelt es sich um eine Weißen, der mit Ruhe zu genießen ist. Die perfekte Begleitung für einen Fisch aus dem Ofen.

Ignios Origenes

Während der Marmajuelo unsere Aufmerksamkeit erzeugt, stellt der Baboso Negro eine echte Überraschung dar. Beim Ausschenken beobachten wir ein Kirschrot mit beinahe ziegelfarbenen Reflexen, die den leicht transparenten Wein älter erscheinen lassen als er ist. In der Nase ist er sehr ausdrucksvoll, mit klar dominanten balsamischen Noten. Außerdem erinnert er uns an Gewürznelken, welke Blüten und Likörnoten.

Die endgültige Überzeugung kam aber am Gaumen. Ein lebendiger Anfang, der uns eine erste Sensation von Salz und Zitrone bereitet, die an einen Margarita erinnert. Diese zitrusähnliche Säure, die uns leicht die Zunge anästhesiert und mit jedem Schluck mehr Gebräu verlangt. Ein frischer und komplexer Rotwein, der mit jedem Glas neue Sensationen preisgibt. Dieser herrliche Wein bildet das perfekte Gegenstück zu einer Vielzahl von Gerichten. Wir wählten saftige Schweinslende aus dem Ofen, zubereitet mit Honig, Senf und Rosmarin, die wie ein Deckel auf den Topf dazu passte.

Auch wenn die Glücklichen Inseln immer auf eine Stippvisite einladen, muss man sich nicht unbedingt dahin begeben, um diese beiden Spitzenweine zu probieren. Man kann sie einfach online beziehen. Es fällt sicher schwer ein paar Flaschen aufzuheben, aber die Mühe lohnt sich auf jeden Fall.

Salud y buenos vinos, amigos.

Flor d’Albera Moscat Sec 2009. Ein goldenes Elixier mit Traubengeschmack.

Posted in 8€ - 9,99€, D.O. Empordà, Weißwein mit Barriqueausbau on August 5, 2012 by vinoysequedode

In diesen Tagen ergeht es den netten Bewohnern in der Gegend des Ampurdán (Empordà in Katalanisch) nicht gerade gut. Seit Wochen wüten dort Garnacha centenaria verheerende Brände, die mittlerweile zahlreiche Waldgebiete und auch einige Weinberge angegriffen haben. Deshalb möchten wir Ihnen heute  hulidgen. Da es unmöglich ist, alle Weingüter und Weine zu erwähnen, die in diesem Teil des spanischen Nordostens existieren, personalisieren wir diese kleine Hommage mit einem der besten Weißweine der D.O. Empordà, dem Flor d’Albera Moscat Sec 2009 aus dem Weinkeller Martí Fabra in Sant Climent Secebes, der am Fuß der Sierra d’Albera liegt. 

Dieser Weißwein wurde 12 Monate in französischen Eichenfässern ausgebaut; damit erhielt er eine Vielzahl Nuancen, die ihn ausgesprochen schmackhaft und verführerisch machen.

Zuerst fällt seine intensive strohgelbe, ins Goldene übergehende, Farbe auf. Beim darauffolgenden Jahrgang 2010 nehmen wir eine schwächere goldene Farbe und ein weniger intensives, jedoch ebenso angenehmes Aroma war. Wie sich doch ein weiteres Jahr in der Flasche bemerkbar macht!

In der Nase spüren wir eine Vielzahl von Aromen sehr reifer, exotischer Früchte; vorallem aber sticht der herrliche Duft der Muskattrauben heraus, die wir Naschkatzen so mögen. Logisch, wenn wir bedenken, dass der Wein nur aus Trauben dieser Rebsorte besteht, die zur Familie der Muskateller gehört. Aber dem ist nicht genug, nach einem Weilchen öffnet sich der Wein und gibt uns alle Noten, die ihm das Holz während der Reifung verlieh, Preis.

Exquisit wird es, wenn wir den Tropfen an den Gaumen bekommen: Welch Apotheose von Aromen, Texturen und Nuancen, was für ein Gleichgewicht! Obwohl er als „trocken“ deklariert ist, bleibt er bis zum letzten Moment spanned, die süßlichen und verführerischen Noten bilden den perfekten Gegenpol. Verzeiht mir das familiäre Zitat, aber ich denke, es ist sehr angebracht. Die Blogmitglieder probierten den Wein zu verschiedenen Gelegenheiten und mit anderen Personen, aber die definitive Aussage zu diesem Tropfen kam von Vater des Schreibenden: „Es ist gut, dass die Weine Aromen von Früchten, Vanille oder Gewürzen haben, aber diesen mag ich besonders, weil er sehr nach Trauben schmeckt.“ Das stimmt liebe Freunde, dieser wunderbare Weiße hat leichte florale Aromen und Nuancen von Kräutern oder Gewürzen, aber sein wirklicher Geschmack ist der der Muskattraube. Er macht sowohl die Liebhaber eher trockener Weine als auch die der fruchtigen Aromen glücklich. Endlich entdeckten wir den perfekten Wein, mit dem man bei der Auswahl eines Weißweins die ewige Diskussion ob trocken oder fruchtig vermeiden kann.

Vom Frühstück abgesehen, eignet sich dieser Wein für jede Tages- und Nachtzeit und passt hervorragend zu Fisch, Pasta, Foie gras, kräftigen Käsesorten oder hellem Fleisch. Doch sicher kommt Ihr beim Verkosten noch auf tausend andere Kombinationsmöglichkeiten. Die „Experten“ empfehlen eine Trinktemperatur von etwa 10º, wir bevorzugen jedoch ein paar Grad weniger.

Das Beste ist allerdings nicht der Wein selbst, der zweifelsohne zu den Edelsteinen zählt, sondern denjenigen kennengelernt haben zu dürfen, der dahinter steht, seinen Schöpfer Joan Fabra. Es ist ein toller Kerl. Bescheiden, trotz seiner fabelhaften Weine, von denen wir Euch hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft berichten können. Sympathisch in seiner Schüchternheit und ein großartiger Mensch. Es ist schon seltsam, aber immer wenn wir ein Winzer oder Önologen kennenlernten, hat sich bis jetzt bewiesen, dass die Bescheidensten und Höflichsten, die besten Weine kreieren, während die, die von sich selbst sprechen als ob sie das Penicillin erfunden oder die Elektrizität entdeckt hätten, oder von ihren Weinen behaupten sie seien die Genese aller Weine, stellen eher Durchschnittsweine nach Allerweltsgeschmack her. Joan gehört zu den Ersteren. Nicht all seine Weine überzeugen uns, aber die, die wir mögen, sind sublim.

Mit diesem Wein des Familienweinguts Martí Fabra, der als Repräsentant für alle anderen aus der Gegend dient, wollten wir heute allen Kellermeistern, Winzern, Önologen, Landwirten, Saisonarbeitern und Anwohnern des Ampurdán Respekt zollen. Hoffen wir, dass sich die Situation bald verbessert und dass diese Menschen wieder ein Umfeld schaffen können, das die Herstellung großartiger Tropfen begünstigt. Sie haben unsere volle Unterstützung, und sicherlich auch die unserer Leser und Freunde.

Stoßen wir darauf mit einem Wein aus dem Ampurdán an. Viel Glück Freunde.

Salud.