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Viña Almate 2012. Waldfrüchte im Flüssigzustand

Posted in 5€ - 7,99€, Biowein, Rotwein mit Crianza, V.T. Castilla y León with tags , , on August 26, 2013 by vinoysequedode

100% Tempranillo. Rotwein mit 2 bis 4 Monaten Fassreifung in französischer Eiche azuelado*, ungetoastet. Vollkommen biodynamischer Weinbau.

AlmateEndlich kehren wir zurück und können Euch einen Wein empfehlen, der bestens in die aktuelle Zeit passt: optimal sowohl für die klimatischen Verhältnisse, denn man kann ihn gut auf unter 15 Grad abkühlen, ohne dass er Schaden leidet, als auch für die nicht gerade rosigen ökonomischen Verhältnisse, in denen wir uns derzeit befinden. Sein Preis liegt bei um die 7€.

Entkorken wir die Flasche und probieren sie.

Für die heutige Verkostung ließen wir uns auf ein innovatives Konzept ein, indem wir sie per Telefonkonferenz zwischen Barcelona und Madrid durchführten, und dabei ziemlichen Spass hatten. Folgendes kam dabei heraus. Sollte Euch etwas nicht gefallen, richtet die Beschwerden bitte an Graham Bell.

Beim Eingießen bewundern wir seine granatrote Farbe, die im Glas ihre Spuren hinterlässt. An den Rändern zeigen sich Violetttöne, die ins Purpur übergehen.

Geruchsphase: Im unbewegten Glas dominieren Aromen von roten Früchten, hier und da machen wir auch schwarze Früchte und Kräuteraromen aus. Nach Schwenken des Glases tritt eine großartige Kombination von Waldbeeren und Kirschen in Likör hervor, sowie balsamische und kräuterartige Noten. Schließlich entdecken wir auch leichte Noten von frischem schwarzen Pfeffer.  Beim Riechen erinnert er an die berühmten Bonbons, die die Nase frei machen.

Am Gaumen spüren wir die fruchtige Charakteristik, die die Rebsorte Tempranillo mitbringt, wenn sie nur kurz mit Holz in Kontakt war. Zu Beginn schienen uns seine Säure und der Alkoholgehalt recht übermäßig, und dass, obwohl wir die Flasche mehr als zwei Stunden zuvor entkorkten, damit sich der Wein angemessen öffnen kann. Ebenso bemerken wir zu Anfang eine leichte Kohlensäuresensation. Für einen so kurz gereiften Wein, weist er eine erstaunlich lange Passage auf, seine Tannine sind deutlich präsent. Das Finale ist würzig und etwas rau. An dieser Stelle der Verkostung dachten wir, dass uns der Wein mit seiner markanten Säure nicht überzeugen kann, aber stop, bei erneutem Einschenken begann diese, plötzlich zu verschwinden. Der Wein verwandelte sich in Seide, Süße und Frische und es gab keine Möglichkeit mit dem Trinken aufzuhören, bis die Flasche für das Recycling zur Verfügung stand. Daher Achtung!, keine voreiligen Schlussfolgerungen ziehen. Gebt dem Wein Zeit, damit er sein wahres Ich zum Ausdruck bringen kann.  Das macht nun mal die Bioweine aus, sie sind ein wenig bipolar. Der Wein ist lebendig, und auch wenn es unglaublich scheint, ich verspreche Euch, dass er zum Reden kam.

Viña Almate 2012

Für den Viña Almate 2012 empfehlen wir Euch jegliche Art von Fleisch vom Grill oder heissen Stein, spanische Tapas, gereiften Käse, oder Reisgerichte, die weder Fisch noch Meeresfrüchte enthalten. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass die Säurepräsenz des Weins mit Fleisch bestens ins Gleichgewicht kommt. Mit der richtigen Begleitung kommen seine roten Früchte und likörähnlichen Nuancen wesentlich besser zur Geltung.

Diesen, für alle Zielgruppen geeigneten, Wein verdanken wir dem Winzer und Önologen Alfredo Maestro Tejedor (Almate setzt sich aus den ersten beiden Buchstaben seines Vor- und Zunamen zusammen), der vor etwa fünfzehn Jahren in seiner Heimat Peñafiel begann und Weinreben pflanzte. Bis heute führt er unter alleinigem Kommado sein gleichnamigs Weingut in der Provinz Vallodalid, wo er von Anfang bis Ende absolut biodynamische Weine produziert. Seine Palette umfasst bereits zwölf Weine, die nicht nur aus dieser Gegend, sondern auch aus Ávila oder Madrid kommen. Bis auf La Cosa-The Thing 2012, seinen Dessertwein, mögen wir alle, die wir bisher probiert haben.

Wir hoffen, dass Ihr diesen Wein in ausgelassener Gesellschaft geniessen könnt, sei es mit Freunden oder Familie, hier mischen wir uns nicht ein.

Salud y buenos vinos, amigos.

* Azuelado: Regeneration der Barriques durch Entfernen der Ablagerungen im Inneren.

La Movida Laderas 2010, Bio-Grenache in Reinkultur

Posted in > 20€, Biowein, Rotwein mit Crianza, V.T. Castilla y León with tags , , on September 14, 2012 by vinoysequedode

La Movida Laderas 2010. 100% Garnacha. Tinto crianza. Bodegas Maldivinas. Cebreros (Ávila).

Wenn mir jemand vor fünfzehn oder zwanzig Jahren gesagt hätte, dass ich mich vor einem Wein aus Cebreros oder Umgebung verneigen würde, hätte ich denjenigen schlichtweg für verrückt erklärt. In den Jahren meiner ersten Jugend (mit meinen 39, so sage ich mir, lebe ich in der Zweiten – jeder macht sich auf seine Weise etwas vor) bot sich oft die Möglichkeit, die in dieser Gegend gewonnenen Traubensäfte unter die Nase zu bekommen. Direkt im Fass gelangten sie in die Stadt, ebenso wie die aus Cariñena oder Valdepeñas Stammenden. Sie waren infam, um es vorsichtig auszudrücken. Es herrschten andere Zeiten, die Qualität spielte keine Rolle, nur die Quantität zählte. Zu jenen Zeiten konsumierten die Spanier wesentlich mehr Liter Wein pro Kopf als heutzutage, aber was für Weine. In Spanien als Vinachos bekannte Billigweine, die nicht die geringste Qualität besaßen und sich eher zum Mischen mit Wasser oder Limonade eigneten. Oder besser noch für die Abflussreinigung. Sicher denken jetzt einige Leser, dass wir uns mit der Analyse zu weit aus dem Fenster lehnen; diesen Kritikern sei einfach nur die Frage gestellt: Habt Ihr sie probiert?   

Aber diese bedauerlichen, mich zum Schaudern bringenden Erinnerungen gehören glücklichweise der Vergangenheit an, denn heuer gibt es hier ein Grüppchen von Schwärmern, zu denen Guillermo und Carlos von Maldivinas zählen, die dabei sind, die Gegend zurückzugewinnen und sie in ein Synonym für Qualität und Prestige zu verwandeln.

Unser heutiger Hauptdarsteller ist ein klares Beispiel für den Triumphzug der Qualitätsweine aus diesem Örtchen, eingebettet in der Provinz Ávila, die im Südwesten an die wunderschöne Bergkette der Sierra de Gredos und östlich an die Comunidad von Madrid grenzt.

Die alten Rebstöcke stehen in schwierigem Gelände, auf 920m Höhe, in einigen Teilen mit unglaublichen Steigungen, auf denen selbst Spiderman Schwierigkeiten mit der Fortbewegung hätte. Hier wird Hand angelegt und die Biodynamik bereits im Weinberg umgesetzt. Unter diesen Bedingungen ist es normal, dass die resultierenden Garnachas wild und intensiv sind. Logischerweise fahren diese Reben keine große Ernte ein. Alles zusammen macht die Flasche teurer, Qualität und Exklusivität haben eben ihren Preis; aber käme der Wein von unseren französischen Nachbarn, müsste man glatt das Dreifache dafür zahlen.

Dieser Wein beeindruckt direkt beim Entkorken. Schon wenn er ins Glas fließt, verbreitet er seinen Charakter, die Intensität seiner Rottöne erinnerte mich an meinen spektakulären Momente einer Blutspende. Es mag unangenehm scheinen, aber ich sah es als etwas Schönes, der Wein als Metapher des Lebens. Ich verspreche, dass mir solche Dinge nüchtern einfallen. Wie ich schon sagte, dieser Wein ist erstaunlich. In der Nase nehmen wir Mineralik wahr, die unter der Sensation reifer, roter Früchte liegt, ebenso präsentieren sich balsamische und leichte Gewürznoten. Und, meine Damen und Herren, trotz der Schwierigkeiten, die das Schreiben in dieser Position darstellt, erhebe ich mich, um das Gefühl zu beschreiben, dem man sich hingibt, wenn dieses Elixier auf die Geschmackspupillen trifft.  Der Gaumen füllt sich mit reifen Früchten, darauf folgt eine feuerwerksähnliche Explosion einer Vielzahl likörähnlicher Nuancen, die uns mit Cognac oder Maraschino gefüllte Pralinen ins Gedächtnis rufen.

Kurz gesagt, ist dieser Riesenwein ein Kunststück, eine durch und durch sinnliche Erfahrung. Trotz der Verschmelzung so verschiedener Aromen, ist er sehr ausgeglichen und von süßlicher, nachhaltiger Intensität, oder wie Doreen bei einer Gelegenheit sagte, „man vernarrt sich in  ihn“.

Wir empfehlen ihn zu rotem Fleisch, Foie Gras oder gereiftem Käse. Er passt auch hervorragt zu iberischem Schweinefleisch, wie etwa Secreto (verstecktes Filet) oder Pluma (dem Schulterstück).

Glückwunsch an die Autoren dieses Juwels, an jene, die uns den Wein empfahlen, und an all diejenigen, die sich entscheiden, ihn zu probieren. Wir versprechen, dass Ihr es nicht bereuen werdet. Wenn Ihr in der Gegend seid, vergesst den Stop in Cebreros und Umgebung nicht. Ganz sicher gefällt Euch dieses, vom Fluss Alberche durchzogene, Fleckchen Erde, an dem sich die alten Vettonen und Carpetani trafen.

Salud.